Liebesversuche

LIEBESVERSUCHE - WERNER SCHROETER, Dokumentarfilm, 65 Min., WDR/arte, Deutschland © 2002
Credits: Buch & Regie: Claudia Schmid, Birgit Schulz; Kamera: Dieter Stürmer; Ton: Til Butenschön; Schnitt: Bettina Strunk; Redaktion: Sabine Rollberg. Eine Bildersturm Filmproduktion im Auftrag von WDR/arte

LIEBESVERSUCHE - WERNER SCHROETER - DER FILM
Schüchtern und gleichzeitig provokant. Sein starker Blick verrät die Intensität seiner Lebenshaltung. Er gilt als unangepasst, bildstark, politisch konsequent und liebt die großen Gefühle. Immer schwarz gekleidet mit Neigung zu dramatischer Selbstinszenierung und zum Kitsch. Ein bewusster Exzentriker, der Grenzüberschreitungen liebt und in die Fülle des Lebens mit all seinen Abgründen taucht:

Werner Schroeter, 58 Jahre alt, Theater-, Film-, und Opernregisseur. Schon Ende der 60er Jahre fällt er durch seine experimentellen und kompromisslosen Filme auf, in denen er triviale Elemente mit intellektuellen verbindet. Arbeiten, die sich nur einem kleinen Publikum erschließen. In dieser Zeit bewegt er sich in den Kreisen um Rainer Werner Fassbinder, Rosa von Praunheim und Ingrid Caven.

Liebe, Gewalt, und Tod bewegen Werner Schroeter. Es ist eine Poesie des Unnahbaren, des Nicht-Zueinander-Findens, die in seinen Arbeiten mitklingt. Seine Filme und Theaterinszenierungen sind stark von einer Liebe zur Opernmusik bestimmt. Große Gesten, der dramatische Ausdruck einer Stummfilmästhetik durchziehen seine Bildwelt. Phantasie ist Widerstand.

Im Leben wie in der Arbeit ist für Schroeter der Tod ein zentraler Dreh- und Angelpunkt: „In meiner Umgebung sterben die Leute wie die Fliegen. Das kommt wohl daher, dass ich nur von Gefährdeten umgeben bin.“

Werner Schroeter ist ein intensiver Denker, dessen Körper immer wieder schattenhaft zurücktritt. Er ist ein äußerst sprachbegabter Weltbürger, der sich in Italien, Frankreich, Portugal, Mexiko heimischer fühlt als in Deutschland. Bei uns werden seine Inszenierungen als Insidertipp gehandelt.

Ein Jahr lang begleiten Claudia Schmid und Birgit Schulz den Regisseur. Der Film nähert sich dieser komplexen Figur sowohl privat als auch in der Arbeit an. Er erforscht, was Werner Schroeter bewegt und wovor er glaubt, fliehen zu müssen, lotet seine Abgründe aus, zeigt seine Ruhelosigkeit und vermittelt einen Einstieg in sein künstlerisches Werk.

„Den menschlichen Ausdruck zu retten ist so wichtig wie das menschliche Leben. Sonst werden die Leute zu Berserkern.“

Neben Schroeter stellt der Film Künstler vor, mit denen er seit vielen Jahren eng zusammenarbeitet und deren ebenfalls eigenwillige Arbeiten er mit seinen Ideen verknüpft. So entsteht eine Art Zwiesprache zwischen Werner Schroeter, der Kamerafrau Elfi Mikesch, seiner langjährigen Bühnen- und Kostümbildnerin Alberte Barsacq, seiner Freundin Zazie de Paris, seiner Dramaturgin Monika Keppler, sowie der Schauspielerin, mit der er am radikalsten arbeiten kann: Isabelle Huppert.

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