KÖNIGSKINDER

KÖNIGSKINDER - ROMY SCHNEIDER & ELIZABETH VON ÖSTERREICH, Dokumentarfilm 45 Min., WDR, Deutschland © 1998
Credits: Buch & Regie: Birgit Schulz; Co-Regie: Claudia Schmid; Kamera: Andreas Fiegel; Schnitt: Cornelia Zaluskovsky; Redakton: Andrea Ernst.

KÖNIGSKINDER - ROMY SCHNEIDER & ELIZABETH VON ÖSTERREICH - DER FILM
1854 wurde die bayrische Prinzessin Elisabeth in Wien zur Kaiserin gekrönt. Von diesem Moment an projizierten die Österreicher in die 16jährige glücksbringende, fast religiöse Eigenschaften. In einer Zeit, in der der absolutistische Monarch das Gedankengut der Bürgerdemokratie brutal unterdrückte, war die Figur Elisabeth von Anfang an ein Hoffnungsträger. Die Realität der von Stund' an isolierten Frau wurde öffentlich nicht wahrgenommen. Der Mythos um Kaiserin Elisabeth von Österreich wurde in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts noch einmal gezielt eingesetzt: Die drei Sissi–Filme mit Romy Schneider in der Hauptrolle trafen in den harten Nachkriegsjahren den Nerv der Zeit. Wieder wird eine Heranwachsende – diesmal Romy Schneider– das Mittel zweier Völker zum Tagtraum; wird dem Kinopublikum in der zuckersüßen Geschichtsverfälschung eine Heilsbringerin angeboten, um von der verlorenen eigenen Identität abzulenken. Der Mythos von Elisabeth nimmt erneut Gestalt an, ein verfälschter Mythos, von dem sich Romy Schneider ein Leben lang nicht befreien kann.

Der Film analysiert die Struktur der Projektionen mit teilweise brutalen Folgen für die beiden Frauen und zeigt den Kontrast zu den realen Personen auf. Beleuchtet werden die Ausbruchversuche der beiden Frauen und die öffentlichen Sanktionen, die diese nach sich ziehen. Warum weder Elisabeth von Österreich noch Romy Schneider kaum eine Chance hatten, ihrem eigenen Bild zu entfliehen, wird psychologisch begründet.

Die einleitende Montage lässt die Realbilder der Frauen in Marischkas Filmbild der Sissi–Figur verschmelzen. Romy ist Sissi, ist Elisabeth – so die Wahrnehmung in den 50er Jahren. Im ersten Kapitel befasst sich der Film mit den Initiationsstrukturen, die zum Idol prädistinieren: Kindliche Unschuld, Reinheit, Schönheit und Naivität. Probleme, die die öffentliche Rolle mit sich bringt, werden im nächsten Schritt thematisiert: Anfangszeiten, die die Grundlage für künftige Ausbruchsversuche legen und Suchtstrukturen schaffen. Ihre radikale Abwehr gegen die öffentliche Festlegung nimmt den Raum der dritten Sequenz ein. Darauf folgt die Darstellung der Rastlosigkeit beiden Frauen und deren tragische Unfähigkeit einen Ruhepol in sich selbst zu finden.

Das vorletzte Kapitel diskutiert den Tod als Bestandteil des Mythos. Die Unsterblichkeit des Sissi-Mythos schließt mit dem letzten Kapitel den Film, der Elisabeth von Österreich und Romy Schneider am Ende wieder in der Sissi–Figur verschmelzen lässt.

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