THE INFINITE MOMENT

In Produktion
DER UNENDLICHE MOMENT - Wenn Herz und Welt zusammenstoßen, Dokumentarfilm über den Maler Rolf Kuhlmann, 120 Min.
Credits: Buch & Regie: Claudia Schmid / schmidfilm; Kamera: Justyna Feicht; Sound: Andy Michaelis

Der Film portraitiert den Künstler Rolf Kuhlmann und begleitet über einen Zeitraum von zwei Jahren den gesamten Entstehungsprozess zweier doppelaufklappbarer Malereiobjekte. Diese beiden Doppeltriptychen mit jeweils vier Bildflächen, die sich formal und inhaltlich aufeinander beziehen, werden voraussichtlich Kuhlmanns bis dato größtes Werk darstellen.

In dem Gemäldezyklus reflektiert der Maler den aktuellen Zustand der Welt und visioniert ein mögliches, apokalyptisches Szenario. Dabei zieht er einen inhaltlichen Bogen von der griechischen Antike bis heute. Er spiegelt eine Welt, die mehr und mehr aus den Fugen gerät, ihr Maß und die ethischen Grundregeln verliert, in der der Mensch sukzessive die Natur und Mensch ausbeutet und zerstört. Die zunehmend der Verführung durch populistische Ideen und der Verdrängung unterliegt. Die zur Erlangung von Ressourcen Kriege führt und Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt, sodass sie ihr Land verlassen müssen. Kuhlmanns Gemälde sind Schnittstellen zwischen der realen Welt des jetzigen Zeitgeschehens in Relation zur Historie und einer jenseitigen Welt der Träume, Phantasien, Allegorien und Poesie.

Kuhlmann ist ein poetischer Revoluzzer - ein realistischer Maler, der auf eigenwillige, in der heutigen Kunstwelt singuläre Weise, kompromisslos seinen Visionen und deren malerische Umsetzung folgt. Er erschafft narrative Strukturen, die im Gegensatz zur klassischen Erzählform keinen Anfang und kein Ende haben. Seine Geschichten funktionieren nicht linear, sondern assoziativ, bewegen sich frei in verschiedenen Zeiten, Räumen und Erzählebenen, die sich aufeinander beziehen – ähnlich wie im Traum. In dieser komplexen, verdichteten Form unterschiedlicher Erzählstränge, Blickwinkel und Deutungsmöglichkeiten setzen die Bilder bei dem Betrachter einen kreativen Prozess frei und ermöglichen ihm so eine ganz eigene Sicht auf die Bildelemente und Themen der Welt. Der Betrachter ist somit angehalten, selber Teil des kreativen Prozesses zu werden.
Auch der Film bewegt sich inhaltlich und formal auf mehreren Ebenen, die sich wie in einer Fuge ineinander verweben und verdichten und über denen wiederum non-lineare Metaebenen seiner abstrakten Themen schweben.

Da ich selber ursprünglich aus der Kunst komme, nähere ich mich Kuhlmann und seiner Bildwelt nicht nur als Filmemacherin, sondern auch als Künstlerin - einfühlsam beobachtend, aber auch konfrontativ hinterfragend. Da wir uns auf Augenhöhe begegnen und Rolf Kuhlmann mir vertraut, lässt er das uneingeschränkte Dokumentieren jeglicher Momente transparent zu. Somit hat der Zuschauer die Möglichkeit, nicht nur in Rolf Kuhlmanns Schaffensprozess und geistige Welt einzutauchen, sondern in die Tiefe seines kreativen Ringens um die Vision und das „gute Kunstwerk“ und bekommt somit einen Einblick in das Wesen der Kunst.

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